Nelly Furtado über sich selbst.

Ich bin beeindruckt, wenn Musik von Bedeutung ist, wenn Genres gebrochen werden, wenn Geister erhoben werden, wenn Menschen einen Unterschied machen, und wenn Menschen sich selbst treu sind. Ich bin beeindruckt von: Leonard Cohen, Antonio Carlos Jobim, Nusrat Fateh Ali Khan, Woodstock, Free Tibet, gratis Konzerten für Zehntausende, Marvin Gaye, Bob Marley, De La Soul, guten Filmen, bildlicher Kunst, Andy Warhol, Jazz, allem Improvisiertem, Künstlern, die ich auftreten sehe und die mich zum Weinen bringen, Jeff Buckley, zu einem Rave zu gehen, Gedichte über die Stadt zu schreiben, sich in einem guten Buch zu verlieren, zu einer fremden Stadt zu reisen und niemanden zu kennen …. die Liste nimmt kein Ende.

Ich habe immer einen höllischen Respekt vor der Natur und allen innovativen Dingen gehabt. Obwohl ich in Victoria, B.C., bloß eine Vorstadt einer Stadt, aufwuchs, weiß ich, was Unabhängigkeit ist. Ich weiß, was Seele ist und ich weiß, was Gott ist. Ich weiß, wie es sich anfühlt, auf einem Berggipfel zu singen, als würde Gott Abraham geradewegs vom Himmel in mich hineinpumpen. Als ich 4 Jahre alt war, habe ich in Portugiesisch und Englisch performt, und von meinem neunten bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr hindurch habe ich Ukulele und Posaune gespielt. Ich habe Posaune in einer Jazz Band, einer Konzertband und einer Marschkapelle gespielt und sang und tanzte in Musicals.

Ich habe eine Menge gesehen und bin sehr „gewachsen“ in meiner kurzen Lebenszeit. Ich bin der Tyrann gewesen, ich bin schikaniert worden, bin unsicher gewesen, bin altklug gewesen, bin verloren gewesen, bin wieder gefunden worden, bin gelobt worden, bin angekündigt worden, bin beschämt worden und bin allein gewesen. Obwohl Familie sehr wichtig ist für mich, bin ich nicht behütet und bin es nie gewesen. Ich bin ziemlich gewieft und mein Schmerz treibt häufig meine Leidenschaft an, aber noch öfter tut dies mein Geist. Ich strebe, wie jeder danach, große Dinge mit meinem Leben anzustellen. Ich will Jack Kerouac, Mona Lisa, Ghandi und Mutter Theresa gleichzeitig sein. Ich will Menschen inspirieren, aber nicht in einer billigen Art und Weise. Es gibt eine Künstlerin in mir. Ich sehe Kunst überall wo ich langgehe. Ich glaube, ich wurde geboren, um zu singen und Musik zu schaffen, die emotional verbindet. Ich wurde geboren, um die Welt so zu dokumentieren, wie ich sie sehe und die Erfahrungen, die ich in ihr gemacht habe.

Meine musikalische Herkunft betrachtend scheint es unvermeidlich gewesen zu sein, dass ich diesen musikalischen Traum verfolgen würde. In S. Miguel, auf den Azoren, spielte mein verstorbener Großvater etliche Instrumente. Sein Bruder, mein Großonkel, war ein berühmter Marschkapellen- Komponist oder „maestro“ in seinem Dorf, der heute für die Menschen der Stadt noch einigermaßen als ein Mythos vorhanden ist. Bis heute, sogar nach seinem Tod, verbleiben hunderte seiner Partituren in seinem Keller hinter Schloss und Riegel, trotz mehrfachen Versuchen von lokalen Musikliebhabern sie zu beschlagnahmen. Meine Mutter singt im Kirchenchor und mein Vater hat auch Spaß freizeitmäßig zu singen. Er hat ein starkes Interesse am Portugiesischem Musikstil „fado“ oder „fate“. Diese Portugiesischen Elemente und Einflüsse sind sehr ein Teil von dem, was ich gerne meinen musikalischen „Hardrive“ nenne.

Ich bekam meinen ersten Kassettenrekorder im Alter von acht Jahren – ich sang ins Mikrofon und nahm selbst Lieder auf. Mit 11 bekam ich ein Keyboard mit eingebautem „Scratch-Effekt“. Im Alter von 14 habe ich Reime geschrieben, aber das war eine Phase, die nur einige Monate anhielt, weil die Hip-Hop-Kultur mir damals so attraktiv erschien.

Ich bin immer von neuer Musik besessen gewesen. Ich bin 19 Jahre alt, also kann ich nicht sagen, dass meine Einflüsse Pink Floyd und Kate Bush sind, weil sie es nicht sind. Ich war noch nicht mal geboren. Ich habe ein eindringliches Paris Sample oder einen PM Dawn Song mit einem gesampleten Spandau Balett Chorus frisch aus dem Radio gehört. Ich mochte alles sensationelle und laute. Es war irgendwie so erfrischend für meine jungen Ohren. Ice T, LL Cool J, Salt n Pepa, Bel Biv Devoe, New Edition, High 5, Jackson 5, Boyz II Men, Mariah Carey, Mary J. Blige, Pharcyde ´passin`me by`, Del, Hieroglyphics Crew, TLC, Janet, Word Up Magazine, jeglichen Rap und R & B, DJ Quik, Young MC, Diggable planets, Tribe Called Quest oder alles, was ich in die Finger kriegen konnte, sei es eine Raubkopie aus dem Radio oder ein Mix-Tape eines Freundes. Prince befindet sich wichtiger Weise irgendwo in der Mitte des Ganzen.

Alles, was mit einer ´Drum Machine` oder einem ´Sampler` geschaffen wurde – mit 14 bis 16 war ich sofort mit gespitzten Ohren dabei. Der Höhepunkt dieser Hörerfahrungen führte im Alter von 16 Jahren zu meiner ersten Studioaufnahme, für die Hip-Hop- Band eines Freundes, für die ich voll entwickelte R&B Stimmen schmetterte.

Neue Einflüsse kamen zu mir als ich älter wurde und anfing den CD-Player meines älteren Bruders zu hören. Ich ging außerdem für einen Sommerurlaub nach Portugal und öffnete mich für Rock- Einflüsse wie Radiohead, Smashing Pumpkins, U2, Pulp, Oasis, Sarah McLachlan. Als nächstes kam die Entdeckung von Portishead, deren Stil von diesem Punkt an einen bedeutenden Einfluss auf mein Schreiben und meine Produktionserfahrungen hatte. Besonders faszinierend war Beth Gibbons packende stimmliche Ausdrucksweise, die ich ein gutes Jahr lang bis zu einem bestimmten Punkt imitieren konnte. Mit dieser Welle von Einflüssen kamen auch Madredeus, Sade, Pedro Abrunhosa, Cornershop, Amalia Rodrigues, Tricky, Prodigy, Bjork, alles Brasilianische, vor allem Bossa Nova, Hindu Musik, und Techno in allen musikalischen Formen, vor allem Drum and Bass.

Durch diese Phase hindurch entdeckte ich auch die „Greatest Hits Collections“ der Beatles und die von Simon & Garfunkel. Von diesem Moment an hatte die Tür sich richtig weit geöffnet und sie wird jeden Tag weiter.

Auffällige Stadtmusik der 90er gab mir eine Liebe fürs Samplen, für Technologie und Hip-Hop. Es lehrte mich eine mutige Sängerin zu sein und mit einer gewissen inneren Einstellung zu singen. Die spätere Welle von Einflüssen lehrte mich Leidenschaft und Bedeutung. Sie haben mich gelehrt Emotionen und Melancholie auszudrücken, Songs aus dem Herzen heraus zu schreiben, persönlichen Stil und Schärfe sowie einen markanten Gesangstil zu entwickeln.

Alle diese Einflüsse und alle Lebenserfahrungen, die ich gehabt habe, die meinen lyrischen Inhalt antreiben, kommen zusammen, um mich zu einer Künstlerin „urban folk alternative“ zu machen, falls das irgendwie hilft. Durch meine ganzen Aufnahmeerfahrungen hinweg habe ich gute Songs in Ehren gehalten. Ich glaube an die Macht der Worte und an das Geheimnis einer guten Melodie.

Was ist Musik bis du sie machst überhaupt?

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